Stricken

Detail einer gestrickten Zipfelmütze, 19. Jh., Taranto. Field Museum, USA-Chicago
Detail einer gestrickten Zipfelmütze, 19. Jh., Taranto. Field Museum, USA-Chicago
Das älteste noch existierende Objekt aus Muschelseide, eine Mütze aus dem 14. Jahrhundert, ist gestrickt; ebenso das grösste Objekt, ein über 400 Gramm schwerer Schal. Die häufigsten inventarisierten Objekte sind gestrickte Handschuhe.

In Tarent um 1800 wurde die Muschelseide fast nur gestrickt. «Le donne lavorano a maglia calze, berette, guanti ed altre manifatture ricercatissime in oltremonti.» (de Simone 1767) Sämtliche Objekte, die Erzbischof Capecelatro zwischen 1780 und 1789 verschenkte oder zwischen 1802 und 1805 in Tarent bestellte (und sicher ebenfalls verschenkte), sind gestrickt: Damen- und Herrenhandschuhe zu Dutzenden, Strümpfe, Westen, Mützen.
«Viele vermischen sie mit ein wenig Seide, damit sie mehr Festigkeit bekomme, wodurch sie aber die Gelindigkeit und Wärme verliert.» (von Riedesel 1771) Eine treffende Aussage, wenn man die Resultate der Analyse der Festigkeit der Byssusfaser betrachtet.

Könnte es aber auch um den sparsamen Umgang mit der kostbaren Muschelseide gehen? Auf jeden Fall gibt es nur ganz wenige gemischte Textilien – fast alle inventarisierten Objekte sind aus reiner Muschelseide gestrickt. Auch Capecelatro erwähnt diese Tatsache: «Oft fügt man auch zu einem Faden dieser Wolle einen Faden Seide von beliebiger Farbe, und verbindet sie zusammen.» (von der Recke 1815) Ebenso von Salis-Marschlins 1793: «Alsdann wird sie mit der Spindel in der Hand gesponnen, zwey oder drey Fäden zusammen verbunden, immer ein Faden rechte Seide darunter gemischt, und alsdann mit den Nadeln nicht nur Handschuhe, Strümpfe und Westen, sondern ganze Kleider gestrickt». Obwohl von Salis-Marschlins ein glaubwürdiger, realitätsbezogener Berichterstatter ist, möchte ich letzteres – ganze gestrickte Kleider - allein schon von der Menge des Materials her in Zweifel ziehen.