Sticken und Einweben

Wandteppich für den Duce. Atelier Italo Diana, Sant'Antìoco, 1930er Jahre. Privatbesitz
Wandteppich für den Duce. Atelier Italo Diana, Sant'Antìoco, 1930er Jahre. Privatbesitz
Offenbar wurde bereits im späteren 18. Jahrhundert in Frankreich Muschelseide in Seide oder Leinen eingewoben oder eingestickt: «...und verfertigte vor mehreren Jahren wenigstens in Paris weisse seidene Westen, worin von jener braunen Muschelseide kleine Figuren gewirkt sind» (Krünitz 1805).

Wann diese Art der Verwendung von Muschelseide in Italien aufkam, ist nicht bekannt. Aus Apulien wird 1853 ein quadratischer Wandteppich an der Esposizione di Napoli gezeigt, hergestellt im Waisenhaus Santa Filomena in Lecce: «…tutto lanapinna con dei piccoli trasparenti de seta agli angoli, e nel mezzo, dentro ghirlanda di fiori, il nome in cifra dell’Augusto nostro Re» (Maestri 1858).

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts webt Italo Diana in Sant’Antìoco Wandteppiche mit Mustern, inspiriert von byzantinischen Motiven mit stilisierten Tieren, wie sie dem Geschmack und der Tradition in Sardinien entsprechen: «Si fecero lavori vari, alcuni dei quali su trama d'altra fibra (cotone, seta etc.); arazzi su fondo di seta con ricami in bisso, eseguiti a telaio a grande rilievo, ed a motivi bizantini con animali stilizzati, secondo il gusto e la tradizione artistica dominante nell'Isola.» (Zanetti 1964).


Detail aus einer Kindermütze a pibiones. Atelier Italo Diana, Sant'Antìoco, 1930er Jahre. Privatbesitz
Detail aus einer Kindermütze a pibiones. Atelier Italo Diana, Sant'Antìoco, 1930er Jahre. Privatbesitz
Neben Wandteppichen sind auch Kinderkleider erhalten. Oft wird die typisch sardische Webart a pibiones verwendet, ein noppenartiger Schlingeneintrag aus Muschelseide, wie er auch von den sardischen Wollteppichen bekannt ist. Diese Webtechnik ist auch heute noch sehr verbreitet in Sardinien. «Il disegno decorativo, costituito da grani in rilievo, viene creato da un filo di tama supplementare che, fatto passare attraverso i fili dell’ordito, viene ripreso con le mani nei punti in cui si vuole ottenere il disegno e quindi avvolto su un ferro metallico (busa è infatti il ferro da calza), che ne consente l’innalzamento rispetto alla superficie del tessuto.» (Carta Mantiglia 1997)
Im Istituto statale d’arte in Sassari gibt es zur gleichen Zeit eine Sezione tessitura, wo für mehrfarbige Wandteppiche auch Muschelseide verwendet wurde: «...il bisso è di nuovo valorizzato nella confezione di tappeti policromi, nei quali s’inserisce colla sua magica tinta aurea splendente» (Zanetti 1964).


In Tarent werden ebenfalls seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit Muschelseide bestickte Wandteppiche hergestellt und an verschiedenen Industrie- und Handelsausstellungen gezeigt. Ein Beispiel ist der 1886 hergestellte Wandteppich zum Priesterjubiläum von Papst Leo XIII. Der Eingang dieses Geschenkes wird vom Vatikan zwar bestätigt, sein weiterer Verbleib ist jedoch nicht mehr zu eruieren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden mehrere solcher Wandteppiche hergestellt. Einige davon sind in Campi 2005 und Strippoli 2005 zu sehen.