Weiterverarbeitung der Muschelseide

Menade danzante, in abito di seta. Fresco aus Pompeji, 1. Jahrhundert n. Chr. Museo archeologico nazionale, Neapel
Menade danzante, in abito di seta. Fresco aus Pompeji, 1. Jahrhundert n. Chr. Museo archeologico nazionale, Neapel
Der italienische Dichter Tommaso Niccolò D'Aquino (1665-1721) besingt in seinem Hauptwerk «Delle Deliciae Tarantine» die Schönheit seiner Heimatstadt Tarent in ihrer Blütezeit im 3. Jahrhundert vor Christus. Tarent war zu jener Zeit die Hauptstadt Grossgriechenlands. Mehrere antike Autoren zitierend, berichtet er vom Tarantinidion, einem leichten, feinen, durchsichtigen Gewebe. War es aus Muschelseide gewoben, wie vor allem lokale Historiker vermuten? Zweifel wurden immer wieder formuliert: «L'attività relativa alla lavorazione di stoffe e al confezionamento di capi di abbigliamento è indirettamente documentata dalla diffusione del Tarantinidion, termine che indica una foggia ben distinguibile di abito che non sembra connessa all'uso di una particolare fibra.» (Wuilleumier 1939, in De Juliis & Lippolis 1984).


Vermutlich wurde das Tarantinidion aus der feinsten apulischen Schafwolle hergestellt. Wir wissen, dass diese so fein gesponnen wurde, dass sie zu durchsichtigem Gewebe verarbeitet werden konnte: «Wool from the latter was so fine that it could be spun into diaphanous material.» (Sebesta 1994) Der römische Dichter Martial vergleicht im 1. Jahrhundert nach Christus die Farbe des Tarantinidion mit Wein, der mit Honig gesüsst ist. Könnte es sein, dass so von der Farbe auf das Material – also die goldgelbe Muschelseide - geschlossen wurde?
Um Gewissheit zu erhalten, müsste zuerst die Frage geklärt werden, ob überhaupt je Muschelseide zu schleierartigen, durchsichtigen Geweben verarbeitet wurde. Auf jeden Fall sind alle bis heute eindeutig als Muschelseide identifizierten Objekte weder durchsichtig noch schleierähnlich.