Verarbeitung

Vom Byssus zur Muschelseide: Verarbeitungsprozess von der Reinigung bis zum fertigen Produkt.  Mastrocinque 1928
Vom Byssus zur Muschelseide: Verarbeitungsprozess von der Reinigung bis zum fertigen Produkt.
Mastrocinque 1928
«Die Fäden (der Byssus) sind frisch schmuzig weiß, werden mit den Hauptmuskel abgeschnitten, kardätscht, gesponnen (zu drei Fäden gezwirnt), und vornämlich zu Strümpfen und Handschuhen (oft auch mit etwas Seide) verarbeitet, dann gewaschen, mit Citronensaft bestrichen und zwischen Papier heiß geplättet. Die Gewebe sind fein, gelbbraun, sehr glänzend und werden daher den seidenen vorgezogen.» (Leuchs 1835)


Bei der Aufzeichnung der Überlieferung des Handwerks der Muschelseideverarbeitung muss berücksichtigt werden, dass es sich dabei nicht um etwas Statisches handelt. Die einzelnen Schritte und ihre Bedeutungen haben sich im Laufe der Jahrhunderte je nach wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Umfeld verändert und den jeweiligen Bedürfnissen und Erwartungen angepasst.


Fast alles, was wir heute über die Ernte der Edlen Steckmuschel, die Gewinnung des Byssus, die Herstellung und Verarbeitung von Muschelseide wissen, stammt aus Berichten des 18., 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Abläufe und die verwendeten Instrumente sind im Wesentlichen ähnlich, zeigen jedoch unterschiedliche lokale Ausformungen. Besonders detailliert beschreiben dies Basso-Arnoux 1916 und Mastrocinque 1928.

Da keine antiken Textilien aus Muschelseide erhalten sind, wissen wir nicht, wie diese verarbeitet waren. So kann auch die Frage nicht beantwortet werden, ob es je ganze gewobene Kleider gegeben hat, wie vielfach erwähnt. Fast die Hälfte aller inventarisierten Objekte ist einfach glatt gestrickt, teils mit eingestrickten Mustern. Auch gehäkelte Objekte sind erhalten. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts sind Gewebe mit eingewobenen oder aufgestickten Verzierungen aus Muschelseide bezeugt – wie sie noch heute in Sardinien zu Anschauungszwecken hergestellt werden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts taucht die Verarbeitung von gereinigten Faserbärten zu pelzähnlichen Textilobjekten auf.