Inventar

Das Projekt Muschelseide am Naturhistorischen Museum Basel begann 1998 mit der Suche nach Objekten und deren Inventarisierung. Das erwies sich als schwieriger als angenommen, da praktisch sämtliche Objekte nicht – wie zu erwarten war - in textilen oder volkskundlichen Sammlungen aufbewahrt werden, sondern in naturhistorischen Museen. Trotzdem konnten 2004, an der weltweit ersten ausschliesslich dem Thema Muschelseide gewidmeten Ausstellung in Basel bereits über 20 Objekte aus Europa und den USA gezeigt werden. In der Zwischenzeit enthält das Inventar rund 60 Objekte.

Mit dem Rückverfolgen dieser Objekte erfahren wir ständig mehr über deren Geschichte. Wie kam es in die Sammlung? Wer war ihr Vorbesitzer? Wie kam es in deren Hände? Wo wurde es produziert? So erschliessen sich uns nach und nach die Produktionsorte und die Bedingungen der Herstellung, die Bedeutung von Handel und Geschenkaustausch, die Rolle von Grand Tour, Reiseliteratur, Tagebüchern, und wir lernen etwas über Wissensproduktion und –austausch unter historisch und naturkundlich interessierten Eliten in Kirche und Adel, über Landesgrenzen hinweg, teilweise über riesige Distanzen.

Bei vielen Textilien aus Muschelseide stellt sich die Frage, ob es sich dabei um Kleidungsstücke oder blosse Prestigeobjekte handelte. Waren Objekte aus Muschelseide in erster Linie Souvenirs und Sammelobjekte für das Kuriositätenkabinett zuhause? Oder waren es – einfach etwas teurere – Accessoires?

Auffällig ist, dass bis heute keine liturgischen Textilien gefunden wurden, obwohl sie in der Literatur häufig erwähnt werden. Oder geht auch diese Überlieferung auf das Missverstehen des Begriffs Byssus zurück? Bock jedenfalls ist in seiner Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters von 1866 eindeutig: «Bis zu jenen Zeiten, wo der Handel mit dem Oriente dem Abendlande jenen kostbaren, glänzend weissen Byssusstoff lieferte, wurden vielfach die festtäglichen Alben der Bischöfe aus diesem theuern, ägyptischen Leinen angefertigt. Unter diesem Byssusstoffe, der hinsichtlich seiner Feinheit und Durchsichtigkeit, sowie seiner weissen Farbe mehrere Qualitäten hatte, bezeichnete man im frühen Mittelalter, wie auch im Alterthume, vornehmlich jene feine Sorte von Leinen, die man aus dem Morgenlande, namentlich aber aus Aegypten, dem alten Heimathlande des Byssus, zu beziehen pflegte.»

Das Inventar umfasst sämtliche bis heute gefundenen Objekte, vom Spätmittelalter bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Wichtig: Von sämtlichen Zuschreibungen können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass es sich um Muschelseide handelt. Ausser: Die Fasern wurden analysiert und als Muschelseide bestimmt. Oder die Objekte stammen aus naturhistorischen Sammlungen. Da diese meistens Begleitobjekte einer Steckmuschel und ihrem Byssus bildeten, kann davon ausgegangen werden, dass es sich tatsächlich um Muschelseide handelt.