Neuzeit

Das Mittelmeer: Raum der Geschichte der Muschelseide. Nicolas de Fer, 1709. Universitätsbibliothek Basel
Das Mittelmeer: Raum der Geschichte der Muschelseide. Nicolas de Fer, 1709. Universitätsbibliothek Basel
Im späten 15. und im 16. Jahrhundert bringen die Entdeckung Amerikas und der wachsende Seehandel neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften. Die Erfindung des Buchdrucks trägt zu deren Verbreitung bei. Als Meeresprodukt findet der Byssus, später auch die Muschelseide – zusammen mit der Muschel – Eingang in die ersten gedruckten und illustrierten Naturbücher. Ein Grossteil der heute noch existierenden Textilobjekte aus Muschelseide fand über Naturalien- und Kuriositätenkabinette den Weg in die daraus hervorgegangenen naturhistorischen Museen; sie sind selten in Textilsammlungen zu finden.


Nachrichten über die Muschelseide finden sich in vielen Reisebeschreibungen und Tagebüchern junger Adliger auf Grand Tour. Auch Bürger unternehmen nun Bildungs- und Studienreisen, berichten darüber und bringen oft Objekte nach Hause. Sie sind auch Geschenke in aristokratischen Kreisen von Kirche und Staat.

Ende des 18. Jahrhunderts experimentieren französische und deutsche Textilfirmen mit der Muschelseide – ohne kommerziellen Erfolg. Später finden solche Textilien fast nur noch als Objekte an verschiedenen Messen und an Weltausstellungen Erwähnung.

Nach 1900 erleben Tarent und Sardinien eine kurze Neubelebung der Muschelseideverarbeitung. Der Zweite Weltkrieg beendete sie. Heute steht die Edle Steckmuschel unter Schutz, eine Wiederbelebung der Produktion ist illusorisch. Umso wichtiger sind deshalb die Bemühungen, das Wissen um dieses Kulturgut zu erhalten und an die nächsten Generationen weiterzugeben.