Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis L.)

Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis L.) in ihrem Lebensraum, der Seegraswiese  (Photo: de Gaulejac & Vicente 1995)
Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis L.) in ihrem Lebensraum, der Seegraswiese (Photo: de Gaulejac & Vicente 1995)
Stamm: Mollusca
Klasse: Bivalvia Linnaeus, 1758
Ordnung: Pterioida Newell, 1965
Familie: Pinnidae Leach, 1819
Gattung: Pinna Linnaeus, 1758
Art: Pinna nobilis Linnaeus, 1758

Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis L.) ist die grösste im Mittelmeer lebende Muschel. Ihr Lebensraum sind Seegraswiesen der Arten Posidonia oceanica (L.) oder Cymodocea nodosa (Ucria). Die Muschel bevorzugt mehr oder weniger geschlossene, geschützte Buchten mit geringer Wassertiefe bis maximal 40 m. Die wichtigsten Faktoren, die den Lebensraum der Pinna nobilis kennzeichnen, sind gute Lichtverhältnisse, grundsätzlich sauberes Wasser, geringe jahreszeitliche Schwankungen des Salzgehaltes (3,4 bis 4 %), gemässigte Temperaturen (7 bis 28°C) und eine normalerweise gleichmässige, langsame Strömung mit genügend Nährstoffen.

Die Steckmuschel ernährt sich von Plankton; dazu filtriert sie stündlich rund 6 Liter Wasser. Als Zwitter produziert sie weibliche und männliche Keimzellen, die sie alternierend in den Monaten Juni bis August ins Wasser abgibt. Nach der Befruchtung entwickeln sich frei schwimmende Larven, die bereits nach wenigen Tagen, sobald sie eine dünne Kalkschale gebildet haben, auf den Boden sinken. Nun bildet die Muschel die ersten Byssusfäden, wächst fest sitzend und erreicht bereits im ersten Jahr eine Grösse von 10 bis 15 cm; ausgewachsen können die Muscheln bis zu 120 cm gross und über 20 Jahre alt werden (de Gaulejac 1995, Vicente 2000, Siletic 2004).


Noch im 18. Jahrhundert sind dichte Bestände bezeugt: «...da wohnen die zahlreichsten Colonien und Familien derselben, welche ... gleichsam unterirdische Städte und Dörfer ausmachen, darinnen die ältesten Stammväter wie Thürme hervorragen» (Chemnitz 1777). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Bestände zusammengebrochen. Gründe für den Rückgang sind einerseits Zerstörungen durch Schleppnetzfischerei, Ankerungen und Übernutzung durch Freizeittaucher. Andererseits sind die Seegraswiesen bedroht durch Überdüngung. Eine zusätzliche Beeinträchtigung der Seegraswiesen erfolgt durch die Verbreitung der so genannten 'Killeralge' Caulerpa taxifolia (Vahl). Die heutigen Bestände schwanken zwischen einem Tier bis zu 30 Tieren pro 100 m2. Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur von 2000 zeigt Zustand und Belastung der Meeres- und Küstenumwelt des Mittelmeers (s. pdf medsea_de.2000). 1992 wurde die Pinna nobilis in der Europäischen Union (EU) und in Kroatien unter Schutz gestellt; dieser wurde 2006 erneuert (s. pdf eur_lex).
eur-lex.europa.eu (pdf, 551.8 KB) medsea_de2000. (pdf, 540.6 KB)


Seit den 1980er Jahren werden in vielen Ländern im Mittelmeer die Pinna nobilis und ihre Lebensumstände erforscht sowie Möglichkeiten für die Wiederansiedlung untersucht: Kroatien (Zavodnik 1967, Zavodnik et al. 1991, Orepic et al. 1997, Siletic & Perharda 2003, Richardson et al. 2004), Südfrankreich (Vicente 1980, de Gaulejac 1993, de Gaulejac & Vicente 1995), Korsika (de Gaulejac & Vicente 1990), Griechenland (Catsiki & Catsikiery 1992, Katsanevakis 2006 & 2007), Tunesien (Tlig-Zouari 1993, Rabaoui et al. 2007), Sardinien (Porcheddu et al. 1998, Addis et al. 2009), Spanien (Richardson et al. 1999, Templado 2001, Garcia-March et al. 2002 & 2005 & 2006 & 2007), Marokko (Guallart 2000) und Süditalien (Giacobbe 2002, Centoducati et al. 2007). An der Südküste der Türkei arbeitet der WWF Turkey in Projekten zum Schutz der Küstengewässer. Trotzdem sind viele Bestände auch in der EU weiterhin bedroht, da der Schutz der Muschel nicht umgesetzt oder nicht beachtet wird. «... P. nobilis is still commercially exploited and served in Greek fish restaurants. In addition, poaching by recreational or professional fishers and divers for personal consumption or collection of its shell is quite significant and appears to be a major threat to the conservation of the species.» (Katsanevakis et al. 2011)


Weitere Quellen: Ravera 1950, Czihak & Dierl 1961, Hignette 1983, Vicente et al. 1990, Vicente & Moreteau 1991, Vicente & de Gaulejac 1993, Butler et al. 1993, Kennedy et al. 2001