Biologie

Erholung der Augen und des Gemüts bei der Betrachtung von Schnecken. Buonanni, Roma 1681
Erholung der Augen und des Gemüts bei der Betrachtung von Schnecken. Buonanni, Roma 1681
Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis L.), die nur im Mittelmeer vorkommt und bis zu 120 cm gross werden kann, fasziniert Naturforscher seit der Antike. Schon Aristoteles und Plinius der Ältere haben ihre Lebensweise und ihren Begleiter, den Pinnenwächter - eine Krabbenart - beschrieben.

Das erste ausschliesslich Muscheln und Schnecken gewidmete Buch erscheint 1681: Ricreatione dell’occhio e della mente nell’osservation’ delle chiocciole von Filippo Buonanni (1638-1725). Es ist eines der ersten naturwissenschaftlichen Bücher, das in einer modernen Sprache verfasst ist. Unter den Kupferstichen finden sich auch zwei Steckmuscheln mit Faserbart.

Buonanni kennt die Verwendung der Byssusfäden als Textilmaterial. Er bezeichnet die Muschelseide mit dem Begriff Bisso marino, also Meeresbyssus und setzt diesen dem bisso terrestre, also den Byssus 'vom Land' entgegen, welcher aus Leinen oder Baumwolle hergestellt sei.

Verarbeitete Muschelseide kann von Auge kaum von Maulbeerseide unterschieden werden. Dank deutlich elliptischem Querschnitt der Byssusfasern, wie er sonst bei keiner Naturfaser vorkommt, kann sie jedoch leicht unter dem Durchlichtmikroskop nachgewiesen werden. Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop zeigen die Oberfläche, physikalisch-chemische Untersuchungen weitere Eigenschaften der Byssusfaser der Pinna nobilis.

Die Frage, ob sich Muschelseide färben lässt und ob sie je gefärbt wurde, wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Tatsache ist, dass alle bis heute gefundenen Objekte aus ungefärbter, bzw. aufgehellter Muschelseide hergestellt wurden.


Weitere Quellen: Gessner 1553, 1558, Rondelet 1554–55, Aldrovandi 1606, Colonna 1616, de Réaumur 1714, Dezallier d’Argenville 1742, Lavini 1835, Müller 1837