Aktuell

2016


Kongress über Meeresressourcen in der Antike

Vom 11. bis 13. Oktober 2016 fanden in Antibes, Frankreich die 37. Rencontres Internationales d’Archéologie et d’Histoire d’Antibes statt. Historiker, Archäologinnen und Zooarchäologen diskutierten das Thema L’exploitation des ressources maritimes de l’Antiquité. Das Thema Muschelseide passte da bestens dazu und stiess auf grosses Interesse.



38-jährige Pinna nobilis gefunden!


Eine marinebiologische Studie der spanischen Universität Valencia ergab, dass die Pinna nobilis fast doppelt so alt werden kann als bis jetzt angenommen: "In the present study we found the oldest P. nobilis recorded to date 38 years old." (XVIII Simposio Ibérico de Estudios de Biología Marina, 2 al 5 de Septiembre de 2014)



500 Jahre Conrad Gessner - Schweizer Universalgenie

Conrad Gessner wird auch der Leonardo da Vinci der Schweiz genannt. In Zürich, wo der Universalgelehrte 1516 geboren wurde, wird in mehreren Ausstellungen an dessen 500. Geburtstag erinnert (www.gessner500.ch). In seiner Historia Animalium korrigierte er Gaza und wies auf den Unterschied zwischen dem antiken Byssus und der Muschelseide hin:
"Auss solcher reinen Matery oder Wolle / so sich von den Steckmuscheln herauss streckt / werden auch Kleyder bereytet / und unter andere reine Gewöll gezettelt / ist doch ein andere Art / als der köstliche Flachss oder Byssus von welchem in beyden Testamenten geschrieben stehet."





2015




Neue Publikation!

Im Juli 2012 fand am Departement Altertumswissenschaften der Universität Basel die Tagung "Weben und Gewebe in der Antike: Materialität –Repräsentation– Episteme – Metapoetik“ statt. Dabei konnte zum ersten Maldas Projekt Muschelseide vorgestellt werden. Der Tagungsband ist nun erschienen, mit dem Artikel "Byssus und Muschelseide – ein sprachliches Problem mit Konsequenzen". Eine Kopie kann bestellt werden bei felicitas.notexisting@nodomain.commaeder@muschelseide.notexisting@nodomain.comch.




Muschelseide als Handelsgut in der Antike?

Wie wurde die Muschelseide in der Antike genannt? Darüber könnten uns Informationen über Handelswege, Waren- und Preislisten, Wirtschafts- und Gesetzestexte Auskunft geben. Einen Einblick habe ich am Kongress über Textile Trade and Distribution - From the Ancient Near East to the Mediterranean 1000 BC to 400 AD an der Uni Kassel erhalten (11.-14. November 2015).




Warum Byssus in der Bibel nicht Muschelseide bedeutet

Aristoteles wird quasi als „Vater der Muschelseide“ bezeichnet, da er als erster den Faserbart der Pinna mit Byssus bezeichnet habe. Was hat Aristoteles mit Muschelseide zu tun? Es handelt sich um einen Übersetzungs- oder genauer Akzentfehler, der auf das 15. Jahrhundert zurückgeht: ein für die Geschichte der Muschelseide überaus folgenreicher Fehler.
Im 3. Jahrhundert v. Chr. schreibt Aristoteles eine Geschichte der Tiere, seine Historia animalium. Er beschreibt in Buch V 15 auch die Pinna, die Steckmuschel: „Αἱ δὲ πίνναι ὀρθαὶ φύονται ἐκ τοῦ βυσσοῦ ἐν τοῖς ἀμμώδεσι καὶ βορβορώδεσιν”. Willem van Moerbeke (um 1215–1286), ein flämischer Dominikaner und bedeutender Übersetzer antiker Schriften, übersetzt im 13. Jahrhundert korrekt: „Pinnae rectae nascuntur ex fundo in arenosis ...“ („Die Steckmuscheln wachsen aufrecht aus der Tiefe ...“); ὁ βυσσός – männlich, mit Betonung auf der zweiten Silbe – ist die Tiefe (van der Feen 1949, Turner and Rosewater 1958).
200 Jahre später verfasst Theodorus Gaza (um 1400–um 1475), ein in Italien lebender Humanist aus Byzanz, eine Neuübersetzung von Aristoteles Schrift. Er verändert Aristoteles’ Text beträchtlich, denn Gaza war überzeugt, dass „a translator of Aristotle must first do his best to restore the text to the form the philosopher had originally given it, and to do so he will have to make substantial changes ad mentem Aristotelis“ (Beullens und Gotthelf 2007). Aristoteles verbessern, sozusagen. Gaza war nicht sehr erfolgreich. Bei ihm hiess es nun: „Pinnae erectae locis arenosis coenosisque ex bysso ...“, („... die Pinna wächst aufrecht aus ihrem Byssus ...“); ἡ βύσσος – weiblich, mit Betonung auf der ersten Silbe – ist feines Leinen oder feine Faser.
Das also ist der Hintergrund des zoologischen Begriffs Byssus. Gazas Übersetzung von Aristoteles’ Historia animalium erschien 1476 in Venedig und war ein unmittelbarer Erfolg – sie überholte in ihrer Bedeutung sämtliche vorherigen Übersetzungen. Während Moerbekes Version erst – und nur in Teilen – 1908 gedruckt wurde, erlebte diejenige von Gaza bis Ende des 16. Jahrhunderts bereits über 40 Auflagen. Von diesem Moment an bekam der bereits vorher mehrdeutige antike Begriff Byssus – Leinen? Baumwolle? Seide? – den zusätzlichen Aspekt einer tierischen Muschelfaser – und wurde damit auf die Muschelseide übertragen. „In this sense, however, the word was not used in the language of the ancients“ (Laufer 1915).
Der Begriff Byssus in schriftlichen Quellen vor 1500 hat nichts mit der Faser der Steckmuschel und somit auch nichts mit Muschelseide zu tun. Damit handelt es sich auch beim biblischen Byssus nicht um Muschelseide.

Aber: Muschelseide war in der Antike sehr wohl bekannt, sie wurde jedoch nicht Byssus genannt. „From these filaments, textiles can be obtained, they are mentioned in Greek texts from the 2nd cent. AD; ... but they are never called ,byssus’“ (Pelliot 1959). Meistens wurde sie umschrieben. Auf jeden Fall ist bis heute kein einziger klassischer Text bekannt, der den Begriff byssus im Lateinischen oder βύσσος im Griechischen in Verbindung bringt mit einem textilen Muschel- oder Meeresprodukt.





Die Muschelseide am ICOM-Costume Kongress in Toronto, Canada

Felicitas Maeder wurde eingeladen, das Projekt Muschelseide am Jahreskongress von ICOM-Costume vom 8. - 13. September 2015 in Toronto vorzustellen.

Der Internationale Museumsrat ICOM (International Councel of Museums) wurde 1946 durch Vertreter von 14 Nationen gegründet. ICOM ist ein nichtstaatlicher Verband, formell mit der UNESCO verbunden und ist mit beratender Stimme im Wirtschafts- und Sozialrat der UNO vertreten. Mit seinen über 24’000 Mitgliedern in 150 Ländern bildet der Internationale Museumsrat ICOM ein weltweites Netz von Museumsfachleuten aller Disziplinen und Spezialisierungen.




 
 
Ein englisches Muschelbuch über die Muschelseide in Sant'Antioco

Helen Scales, Marinebiologin der Universität Cambridge, England, verbrachte 2014 einen Studienaufenthalt in Sant'Antioco. Nun ist ihr Muschelbuch erschienen: "Spirals in Time - The secret life and curious afterlife of seashells" (Bloomsbury 2015). Im Kapitel "Spinning Shell Stories" (S. 145-171) berichtet sie über die Geschichte der Muschelseide, ihre Verarbeitung und die heutige Situation in Sant'Antioco. Im August 2015 las sie in einer 5-teiligen Serie von Radio BBC aus ihrem Buch vor.




Interview mit der Tochter von Italo Diana

Als Abschluss der Serie über die Geschichte der Muschelseide in Sant'Antioco erscheint am 16. April 2015 ein Interview von Claudio Moica mit Emma Diana, einer der beiden Töchter von Italo Diana: Ein liebevolles Portrait mit Hinweisen über die verschiedenen natürlichen Tönungen von Rohbyssus - und über die gescheiterten Färbeversuche der Muschelseide mit Purpur und pflanzlichen Stoffen.

Moica-2015.jpg (jpg, 98.5 KB)



Piazza Italo Diana in Sant'Antioco

Der Gemeinderat von Sant'Antioco hat am 31. März 2015 beschlossen, den Platz vor dem Rathaus Italo Diana zu widmen. Damit wird erstmals dem Meister, der so viel getan hat für das Wissen rund um die Verarbeitung der Muschelseide, öffentliche Ehre erwiesen.



Zwei Vorträge und Recherchen in Wien

Am 14. März 2015 konnte ich die terminologischen Schwierigkeiten um die Begriffe Byssus und Muschelseide in der Gesellschaft zur Förderung der Textil-Kunst-Forschung Wien vortragen. Der Nachmittag stand unter dem Thema: “Textile Schätze aus dem Meer – Muschelseide und mexikanischer Purpur”.

An der Tagung der Katholischen Akademie Wien mit dem Titel "Spuren vom Heiligen Antlitz: Sindon, Sudarium, Mandylion, Veronica, Volto Santo" konnte ich am 18. März 2015 über die tatsächlichen Byssus-Textilien der Antike - meistens aus feinstem Leinen, wie die ägyptischen Mumienbinden - sowie die Tüchleinmalerei in Manoppello und die gar nicht schleierähnlichen Objekte aus Muschelseide aus dem 14. bis 20. Jahrhundert berichten. Zu den Referenten gehörten KunsthistorikerInnen und ForscherInnen rund um das Turiner Grabtuch (s. Programm).

Recherchen fanden statt am Naturhistorischen Museum und am Museum für angewandte Kunst MAK, wo ich einige Byssusgewebe aus Leinen und Seide (Bombyx mori) untersuchen konnte.
Veronica-Programm.doc (doc, 1.3 MB)




2014


Eine andere Geschichte der Muschelseide in Sant’Antioco

Der sardische Journalist Claudio Moica hat über die Geschichte der Muschelseide-Verarbeitung in Sant’Antioco im 20. Jahrhundert eine Artikelserie geschrieben. Sie sind einsehbar auf der Homepage der lokalen Gazzetta del Sulcis (http://www.gazzettadelsulcis.it/archivi.asp)

10/7/2014: Si scoprono nuovi maestri della tessitura: il bisso a Sant'Antioco
31/7/2014: La difficile ricostruzione della vita di Italo Diana, il misterioso maestro del bisso di Sant'Antioco
4/9/2014: Felicitas Maeder e la ricerca della verità intorno alla storia del bisso
18/9/2014: Gli insegnamenti del maestro Italo Diana ad Efisia Murroni, l'ultima allieva del bisso
9/10/2014: Italo Diana ricordato dai figli di Jolanda Sitzia: L'allieva e la rievocazione del maestro
23/10/2014: Le sorelle Pes maestre di tessitura e di bisso: La passione di Assuntina e Giuseppina

Diese Artikel zeigen eine andere Geschichte der Muschelseide in Sardinien, nüchterner, weniger legendenbeladen, aber belegt.



Eine Forschungswoche in London und Cambridge


Das Natural History Museum in London besitzt einige Muschelseide-Objekte. Das kleine gewobene Fragment (Inventar-Nr. 17) birgt unter dem Mikroskop einige Geheimnisse. Der Saum an zwei Seiten zeigt, dass das Fragment wohl Teil eines grösseren Gewebes ist. Auch die Webart ist nicht klar. Eine genauere Analyse ist geplant.

Die Cairo Geniza Unit an der Bibliothek der University of Cambridge übersetzt und analysiert hebräische Handschriften aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Arabische und hebräische Textilbegriffe zeigen, dass die Verarbeitung von Muschelseide zu dieser Zeit vermutlich bekannt war.



Byssus und Muschelseide sind Thema eines Kongresses über textile Terminologie in der Antike


Am Centre for Textile Research der Universität Kopenhagen fand vom 18. bis 22. Juni 2014 der Kongress Textile Terminologies from the Orient to the Mediterranean and Europe 1000 BC - 1000 AD statt. Felicitas Maeder eröffnete den Kongress mit der Key note Irritating Byssus - A Term Through the Ages. Die Hauptaussage war, dass der Begriff Byssus vor 1500 nie den Faserbart der Pinna nobilis bezeichnete (und damit Muschelseide), sondern ein kostbares, feines Gewebe aus Leinen oder Baumwolle. Da aber Muschelseide in der Antike bereits existierte, werden weitere Forschungen nach den Begriffen suchen, mit denen Muschelseide in verschiedenen Zeiten und verschiedenen Sprachen bezeichnet wurde.
Programme Textile Terminology 2014.pdf (pdf, 616.9 KB)



2013



Krawatte, nicht Schal

Ein Augenschein im National Museum of Scotland in Edinburgh ergab, dass es sich beim vermeintlichen Netzschal (MS-Inventar 25) in Wirklichkeit um eine Krawatte handelt.



1. Internationaler Kongress zum Thema Muschelseide und Purpur

Vom 26. bis 28. Mai 2013 fand in Lecce unter dem Titel TREASURES FROM THE SEA - Sea-silk and Shell purple dye in antiquity ein internationaler Workshop über Muschelseide und Purpur statt. Organisatoren waren das Centre for Textile Research der Universität Kopenhagen und die University of Salento, Department of Cultural Heritage. Neben neuesten Forschungsresultaten aus Archäologie, Natur-, Kultur- und Sprachwissenschaften zeigten zwei sardische Weberinnen den Prozess der Reinigung des Faserbartes über das Kämmen und Spinnen bis zum Verweben der Muschelseide auf einem kleinen Handwebstuhl.


WORKSHOP LECCE.pdf (pdf, 1.0 MB)




2012


Auszeichnung für Felicitas Maeder

Am 30. November 2012 wurde Felicitas Maeder Ehrendoktorin der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel.



Die Muschelseide an einer Tagung der Universität Basel

Das Departement Altertumswissenschaften der Universität Basel organisierte die internationale Tagung Weben und Gewebe in der Antike. Materialität – Repräsentation – Episteme – Metapoetik (30. August bis 1. September 2012). Felicitas Maeder nahm daran teil mit dem Vortrag: Muschelseide in antiken Mittelmeerkulturen? Byssus als sprachliches Problem.

WebenUndGewebeFlyer.pdf (pdf, 943.0 KB)



Muschelseideschal in Clermont-Ferrand

Im Musée Bargoin in F-Clermont-Ferrand kann zur Zeit ein Muschelseideschal bewundert werden. Die Ausstellung METAMORPHOSES zeigt noch bis zum 31. März 2013 weitere aussergewöhnliche Textilien aus allen Kontinenten.



Muschelseide in deutscher Textilmanufaktur um 1800


Nun hat es sich bestätigt: In der Tuchmacherstadt Monschau wurde um 1800 tatsächlich Muschelseide verarbeitet. Der Beweis erbrachte ein braunes Tuchmuster aus Merinowolle, mit goldenen Einschüssen aus Muschelseide, also genau so wie es ein Zeitgenosse beschrieben hatte: «...sur la couleur foncée de ces draps, on aurait dit des trainées de paillettes brillantes» (de Ladoucette 1818).

Unklar ist noch, ob es sich beim Pinna-marina-Tuch, das zur gleichen Zeit dort angefertigt wurde, um ein Muschelseide-Imitat handelt.

Nun ist auch der Artikel darüber erschienen: Gesucht und gefunden: Muschelseide in einem Wollmusterbuch des 18. Jahrhunderts, in Das Monschauer Land, Jahrbuch 2013, S. 10-22.
Die Faseranalyse findet sich gleich im anschliessenden Artikel: Anne Sicken, Analyse des Tuchmusters 2.384 aus einem Musterbuch der "Feinen Gewandschaft" aus dem Roten Haus in Monschau, S. 23-24.

Erhältlich ist das Jahrbuch hier: www.gv-mon.de/html/jahrbuch.html